Zuhause in Marburg?
Was
treibt mich nur immer wieder in diese Stadt? Schon die erste Begegnung
mit Marburg zwang mich zu einem verlängerten Aufenthalt, weil das
Parkhaus am Pilgrimstein zu früh Feierabend machte. Der nächste Besuch
war kurz und angenehm. Mit dem Wandelstein durch die Oberstadt zu rattern
brachte viel Spaß. Nach dem Ende dieser Kunstaktion mit Rolf KeTaN
Tepel kam ich in die Stadt zurück und gesellte mich zu den anderen
Gammlern, die zu dieser Zeit noch an der Wasserscheide
herumlungerten. Herum lungern kann ich gut. Mit einigen von ihnen
gründete ich das DaDaProjekt Wolkenkuckucksheim,
feierte Partys und meinen schlechten Ruf. Das Projekt scheiterte
schnell, ich zog wieder durchs Land, tat dies und das, doch eine
Geliebte zog mich wieder in die Stadt zurück. Es folgten ein paar Jahre
emsigen Schaffens, die ersten Labyrinthe entstanden und ein Stapel
Fotomontagen. Doch nichts hält ewig, die Leidenschaft kühlte ab, die
Geliebte ging
fort und auch mich zog es bald wieder auf die Strasse zurück.
In Gießen fand ich ein neues Heim, neue Freunde und beinahe so etwas wie Erfolg. Ein paar Ausstellungen, Lesungen meiner Gedichte und zu viel Alkohol, vor dem mich wieder einmal die holde Weiblichkeit rettete. Wieder folgte ich dem Lockruf des Weibes, diesmal nach Gelnhausen. Wieder währte das Glück nicht ewig, die Geliebte starb. Allein und mit mehr Besitz, als in meinen Rucksack passte, wollte ich zurück nach Gießen - und landete in Marburg. Eine Wohnung hatte ich nicht finden können und die Hausbesetzung in der Wannkopfstrasse war auch viel eher nach meinem Geschmack. Der Winter dort war kalt und hart, einen zweiten davon wollte ich vermeiden und so landete ich schließlich im Waldtal, sehr zum Missfallen der fleißigen Bürger, die dort unter Gleichgesinnten tratschen wollen. Ich passe nicht hier hin und finde hier auch kein Zuhause. Doch bis heute scheiterte jeder Versuch diese kleinbürgerliche Vorstadthölle wieder zu verlassen. Den Rucksack packen und das Werk von Jahren opfern will ich nicht. So lebe ich nun seit Jahren mehr geduldet als gemocht in dieser Stadt und trotz all der unangenehmen Erfahrungen mag ich sie. Warum ist schwer zu sagen. Vielleicht sind Bilder dafür besser geeignet als Worte. |